Zu Ehren der Götter Griechenlands, so waren die Anfänge, sollten die Spiele sein. Es war der Halbgott Herakles, der Sohn des höchsten Gottes Zeus, der die Spiele ins Leben rief. In dem beschaulichen Ort Olympia auf der griechischen Halbinsel Peloponnes wurden sie ausgetragen. Es gibt noch gut erhaltene Siegerlisten aus dem Jahre 776 vor Christus, die dies bezeugen können. Bei der allerersten Veranstaltung fand lediglich ein Wettbewerb statt, der Stadionlauf, erst im Laufe der Zeit kamen immer mehr Disziplinen hinzu. Besonders beliebt zur damaligen Zeit waren die unterschiedlichsten Kampfstile. Aber auch der Fünfkampf, bestehend aus Weitsprung, Diskuswurf, Laufen, Speerwurf und Ringen fand großen Anklang beim Publikum.

Während zu Beginn vor allem der Sinn in der Ehrung der Götter lag, rückte nach und nach der sportliche Ehrgeiz der Athleten in den Mittelpunkt. Opfergaben, Götterfeste und ähnliche Rituale, die in den Anfängen ausgiebig zelebriert wurden, gingen im Laufe der Zeit Stück-für-Stück verloren. Auch wurden die Teilnahmebedingungen immer mehr gelockert, um eine größere Anzahl von herausragenden Athleten zulassen zu können. Wer bei Olympia siegte, erlangte Heldenstatus. Lebenslange Versorgung durch den Staat war neben Ruhm und Ehre für die Athleten und ihren Familien ein großer Ansporn zu gewinnen. Diese Motivation verleitete im Laufe der Zeit immer mehr Sportler dazu, bei den Spielen zu betrügen und zu bestechen, dort gewann zum Beispiel am Ende eines Wagenrennens urplötzlich derjenige, der während des Rennens vom Wagen gefallen war. Dies war ein Grund, warum sich die Menschen immer mehr von der Veranstaltung fernhielten.

Ein weiterer Grund lag im Wechsel des Glaubens und der Religion. An das alte Bild der Götterwelten mochten immer weniger Menschen glauben, gleichzeitig begann der Siegeszug des Christentums, das im Jahre 380 zur römischen Staatsreligion ernannt wurde. Danach war es für die Spiele vorbei; sie galten als ein heidnisches Brauchtum und wurden verboten. Es sollte über 1.500 Jahre dauern, ehe die Olympischen Spiele wieder zu neuem Leben erweckt wurden. Dem französischen Student Pierre de Coubertin ist dies zu verdanken; als Pädagogik-Student erkannte er den Zusammenhang von Sport, Teambildung und Leistungssteigerung. Zu jener Zeit entdeckte der deutsche Archäologe Ernst Curtis die alten Spielstätten und weitere wichtige Details zu den ersten Spielen im antiken Olympia. Pierre de Coubertin war nun völlig begeistert. Er fügte seine Erkenntnisse aus der Sport-Pädagogik mit den Traditionen des alten Olympia zusammen und heraus kamen die ersten Spiele der Neuzeit, so wie wir sie heute kennen.

Er gründete mit seinen Mitstreitern das Olympische Komitee (IOC) und begann sofort mit der Organisation der ersten Spiele nach über 1.500 Jahren. Natürlich sollten diese im alten Olympia stattfinden. Viele seiner Ideen gelten noch bis heute, während andere geändert wurden. Seine Vision von unpolitischen Spielen mit Amateursportlern aus aller Welt sollte leider im Laufe der Zeit ausgehöhlt werden. Sie gilt zwar offiziell immer noch, aber die Realität ist leider eine andere geworden. Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich, was ein einfacher Student imstande war auf die Beine zu stellen: Bei seiner ersten Olympiade waren so wenig Sportler zugegen, dass er Passanten und Touristen bat mitzumachen. Die Idee der fünf Ringe, welche die fünf Kontinente symbolisieren stammte ebenso von ihm, genauso wie die Rituale der Eröffnungszeremonie. Eine wirklich erstaunliche Erfolgsgeschichte, die Pierre de Coubertin gelungen ist, auch wenn die Spiele im Laufe der Zeit immer wieder von politischen und kommerziellen Interessen dominiert wurden. So wird sein Werk in allerbester Erinnerung behalten.